Es ist brillant, witterungsbeständig, hoch lichtdurchlässig, UV-beständig und langlebig: PLEXIGLAS® ist ein High-Tech-Kunststoff. Jetzt erlangt er Bedeutung im Klimaschutz. Im Juni hat Evonik eine weltweite Kampagne mit diesem Thema gestartet. Michael Träxler, Leiter des Geschäftsgebietes Acrylic Sheet, dazu im Gespräch.
[DIA] Herr Träxler, was hat PLEXIGLAS® mit Klimaschutz zu tun?
[Michael Träxler] Sehr viel. Seine Eigenschaften prädestinieren es für den Einsatz im Klimaschutz. Zum Beispiel Wärmedämmung: PLEXIGLAS® ist ein sehr guter Dämmstoff – dadurch lassen sich deutlich Heizkosten sparen. Gleiches gilt für Klimaanlagen in Gebäuden: Industrieanlagen oder Fertigungshallen müssen bei hohen Temperaturen weniger gekühlt werden. Zum Beispiel Langlebigkeit: Gerade haben wir die Gewährleistung auf das Nichtvergilben von PLEXIGLAS® auf 30 Jahre erhöht. Damit kann kein anderer Kunststoff mithalten. Während andere Produkte nach einigen Jahren ausgetauscht werden müssen, bleiben die Eigenschaften von farblosem PLEXIGLAS® erhalten.
[DIA] Welche Anwendungsgebiete für PLEXIGLAS® im Klimaschutz gibt es?
[Michael Träxler] Wir haben zunächst einmal
vier Cluster definiert. Als erstes sehen wir das Thema Energieeinsparung durch
Heizkostenersparnis.
Eins der großen Anwendungsgebiete ist der Gewächshausbau. Durch
die Verwendung von PLEXIGLAS® Stegplatten gibt es enorme Einsparungen
an Energie. Einmal durch die sehr gute Dämmung von PLEXIGLAS®, zum
anderen lässt es viel Licht durch, was gerade in den nordischen
Ländern
zusätzlich dazu führt, dass an trüben Tagen nicht zusätzlich
beleuchtet werden muss. Ein schöner Nebeneffekt ist außerdem,
dass die UV-Durchlässigkeit bestimmter Sorten zu besseren Blühergebnissen
führt.
Das zweite Feld ist die Energieersparnis durch Reduzierung von Air-Condition.
Hier haben wir Industriehallen oder öffentliche Gebäude im Auge.
PLEXIGLAS HEATSTOP® reduziert die Erwärmung unter den Platten
um bis zu 60 Prozent. Dadurch lässt sich sehr viel Energie sparen,
weil Klimaanlagen gedrosselt werden können.
Unser drittes Thema ist die Energieeinsparung bei künstlichem Licht. Durch
Materialien wie PLEXIGLAS® TruLED muss weniger Energie aufgewendet werden,
weil im Vergleich zu anderem Acrylglas weniger LEDs notwendig sind. Gleiches
gilt für PLEXIGLAS® EndLighten. Hier werden mittels Kantenbeleuchtung
in Verbindung mit PLEXIGLAS® ebenfalls weniger Leuchtmittel benötigt.
Unser viertes Thema der Kampagne ist die Energiegewinnung. PLEXIGLAS® findet
heute schon Anwendung in der Photovoltaik, wo Platten mit eingebetteten
Elementen für Transparenz und Energiegewinnung sorgen. Setzt man PLEXIGLAS® als
Licht bündelnde Linse ein, kann gleichzeitig die Anzahl der teuren
Photovoltaik-Elemente reduziert werden. Das Potenzial für diese Anwendungen
ist sehr groß.
Wir haben jährlich alleine in Deutschland bis zu 100.000 Projekte
im Privatbau mit Überdachungen aus PLEXIGLAS® – eine
Vielzahl davon ist geeignet für Solartechnik. Beim Thema Energiegewinnung
gibt es noch ein weiteres sehr interessantes Projekt: In Aufwindkraftwerken,
sogenannten „Solar
Towers“, sollen gigantische Anlagen zum Beispiel in Wüstengebieten
die durch Sonneneinstrahlung entstehenden Aufwinde nutzen, um mit Turbinen
Energie
zu gewinnen. PLEXIGLAS® ist im unteren Bereich, genau dort,
wo bei diesen Kaminen hoch lichtdurchlässig verglaste Flächen
benötigt werden,
dank seiner Lichtdurchlässigkeit, Hitzeresistenz und Langlebigkeit
das ideale Material.
[DIA] Sie nennen beim Thema Klimaschutz bestehende Eigenschaften des Materials. Sind darüber hinaus Varianten oder neue Sorten geplant?
[Michael Träxler] Wir werden mehr und mehr dazu kommen, dass PLEXIGLAS® Teil einer Lösung wird. Wir sind dann nicht mehr nur Spezialist für PLEXIGLAS®, sondern zum Beispiel Spezialist für Terrassenüberdachungen mit Solartechnik. Es ist auch denkbar, dass andere Materialien in unser Produkt integriert werden und damit die für den Klimaschutz relevanten Eigenschaften noch weiter verbessern. In einigen Jahren bieten wir vielleicht Lärmschutzwände mit integrierten Solarmodulen an. Oder Carport-Überdachungen aus PLEXIGLAS®, in die Photovoltaik-Elemente eingelassen sind.
[DIA] Wir reden über Klimaschutz und eine sich verändernde Umwelt. Welche Bedeutung hat das für Forschung und Entwicklung in Ihrem Geschäftsgebiet?
[Michael Träxler] Wir passen unsere Produkte schon seit vielen Jahren den Veränderungen an. Ein Beispiel dafür ist das Thema Veralgung auf den Platten, das mit dem Klimawechsel zu tun hat. Diese Herausforderung gewinnt seit einigen Jahren an Bedeutung – und hat dazu geführt, dass wir unsere Produkte dahingehend verändert haben. Wir müssen uns zukünftig außerdem mit dem Thema Reinigung auseinander setzen. Wenn Klimazonen sich verändern und weniger Regen fällt, dann hat das Auswirkungen auf den Reinigungseffekt unseres Materials – die Eigenschaft, dass durch den Regen Schmutz mit abgewaschen wird, hat dann keinen Bestand mehr und muss durch eine neue Eigenschaft ersetzt werden. In anderen Zonen hingegen kommen die bereits vorhandenen Eigenschaften jetzt erst richtig zum Tragen, zum Beispiel das „Nichtvergilben“. Die Unempfindlichkeit gegen UV-Licht wird bei zunehmender Sonneneinstrahlung und UV-Konzentration ein Zukunftsthema erster Güte.
[DIA] Alle Kunststoffe benötigen bei der Herstellung sehr viel Energie. Widerspricht es sich nicht, dass ein Produkt für sich in Anspruch nimmt, zum Klimaschutz beizutragen, wenn gleichzeitig viel Energie für dessen Produktion benötigt wird?
[Michael Träxler] Sicher müssen wir uns
dieser Frage stellen. Dem ersten Anschein nach sogar zu Recht: Wir verbrauchen
wie bei allen anderen
Kunststoffen bei der Herstellung sehr viel Energie und wir verbrauchen
Rohstoff. Aber im Vergleich mit den meisten dieser anderen Kunststoffe bieten
wir eine extreme
Langlebigkeit. Das heißt: Es wird einmal produziert und hält
ein Leben lang, während viele Konkurrenzprodukte nach einigen Jahren
ausgetauscht werden müssen. Der zweite Aspekt beim Thema Nachhaltigkeit
ist die Wiederverwertung: Wenn PLEXIGLAS® nach Jahrzehnten ausgetauscht
wird, weil zum Beispiel das Design überholt ist, wird es recycelt.
Aus PLEXIGLAS® kann dann wieder
PLEXIGLAS® werden – das ist Ressourcenschonung par excellence.
Wenn man also den Aufwand bei der Produktion unseres Materials in Relation
zum Lebenszyklus setzt, wird klar, das PLEXIGLAS® ein nachhaltiges Produkt
ist und in vielerlei Hinsicht zum Klimaschutz beiträgt.